GAK und Sturm wollen gemeinsam ein Stadion bauen und betreiben: Was ist in Graz geplant?

In der Grazer Stadiondebatte gibt es eine neue, historisch ungewöhnliche Wendung: Sturm Graz und der GAK wollen das Stadionprojekt in Liebenau gemeinsam angehen – inklusive gemeinsamer Betreibergesellschaft.

Die Vereine sprechen von einem „Meilenstein“ und nennen erstmals ein konkretes Finanzierungsmodell mit deutlich niedrigeren Gesamtkosten als bisher in der öffentlichen Debatte.

Wichtig: Stand heute ist das Vorhaben politisch und rechtlich noch nicht final beschlossen. Es ist aber ein neuer, relevanter Vorschlag, der die Diskussion in Graz stark verändert.

Stadiondiskussion Graz 2025/2026: Stand, Kosten, Betreiberidee und Finanzierung

Das Wichtigste kompakt zum geplanten Stadion Projekt in Graz

PunktStand/AngabeEinordnung
StandortGraz-Liebenau (aktuelles Stadion/Merkur Arena)Auch die neue Vereinsidee setzt auf den bestehenden Standort
Kapazität (heute)ca. 15.000 SitzplätzeOffizielle Stadtangabe (Stadt Graz Q&A)
Zielkapazität (Planung Stadt)20.000 Sitzplätze (international), bis ca. 23.500 national, Derby bis ca. 25.000Stadt Graz beschreibt diese Zielwerte aus der Machbarkeitsstudie
Kosten (Machbarkeitsstudie)rund 150 Mio. Euro (inkl. Reserven/Valorisierung/Grundstückskosten)Öffentliche Darstellung durch Stadt Graz und Medien
Neuer Vereinsvorschlag (Jänner 2026)„Projekt 20.000“: rund 95 Mio. Euro GesamtkostenVon Sturm/GAK kommuniziert, politisch noch zu prüfen
Vereinsanteil laut Vorschlagin Summe 20 Mio. Euro (beide Vereine)Sturm und GAK wollen als Eigentümer betreiben
Stadt/Land laut Vorschlagje 37,5 Mio. EuroVon Klubspitzen genannt; Budgetlage der Stadt gilt als angespannt
BetreiberideeEigene Errichtungs- und Betreibergesellschaft, je 50:50 Sturm/GAKNeuer Ansatz gegenüber rein städtischem Betrieb
ZeitplanKein fixer Zeitplan genanntVereine nennen nächste Gespräche; Entscheidungen stehen aus

1) Was genau schlagen Sturm und GAK vor?

  • Gemeinsames Projekt „20.000“: Ausbau/Modernisierung am Standort Liebenau mit Zielkapazität 20.000.
  • Kostenziel: rund 95 Mio. Euro (deutlich unter den zuvor oft genannten 150 Mio. Euro).
  • Finanzierungsidee: Land 37,5 Mio., Stadt 37,5 Mio., Vereine gemeinsam 20 Mio..
  • Betreibermodell: Eine Errichtungs- und Betreibergesellschaft, die den Vereinen je zur Hälfte gehören soll.

2) Was war bisher der offizielle Stand der Stadt Graz?

Die Stadt Graz hat 2025 eine Machbarkeitsstudie zur Modernisierung/Erweiterung zusammenfassen lassen und öffentlich in einem FAQ erläutert:

  • Ziel: ein modernes, zukunftsfähiges Stadion, das Anforderungen von Bundesliga und UEFA-Bewerben erfüllen kann.
  • Kapazität: heute etwa 15.000 Sitzplätze; Ziel 20.000 Sitzplätze für internationale Spiele; bei nationalen Spielen (Steh/Sitz-Kombination) bis ca. 23.500, im Derbyfall bis ca. 25.000.
  • Kostenrahmen: rund 150 Mio. Euro (inkl. Reserven/Valorisierung/Grundstückskosten).
  • Finanzierung (Stand 2025): Stadt nennt eine Beteiligung „bis zu 30 Mio. Euro“, weitere Beiträge (Land, Bund, Vereine, Investoren) seien offen; Businessplan/Betriebskonzept sollte erarbeitet werden.
  • Neubau-Argument: Laut Stadt sei ein kompletter Neubau u. a. wegen fehlender geeigneter Grundstücke und höherer Kosten nicht die bevorzugte Variante.
  • UVP-Frage: Ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist, wurde als offen beschrieben (Feststellungsantrag vorbereitet).
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3) Warum ist die gemeinsame Betreibergesellschaft so ein großer Punkt?

In Graz wird seit Jahren nicht nur über Baukosten diskutiert, sondern auch über die laufende Finanzierung im Betrieb. Ein Betreiberkonzept entscheidet, ob ein Stadion langfristig Defizite erzeugt oder sich über Einnahmen teilweise trägt.

Eine Vereins-Betreibergesellschaft kann – je nach Ausgestaltung – Folgendes verändern:

  • Vermarktung aus einer Hand: bessere Steuerung von Ticketing, Hospitality, Sponsoring, Stadiontouren, Events.
  • Planungssicherheit: langfristige Miet-/Nutzungsmodelle können stabiler werden als jährliche Ad-hoc-Lösungen.
  • Risiko- und Gewinnverteilung: Kann die öffentliche Hand entlasten – oder neue Risiken erzeugen, falls Einnahmen nicht eintreffen.

4) Wie könnte ein realistisches Finanzierungspaket in Graz aussehen?

In Österreich werden Stadionprojekte typischerweise aus mehreren Bausteinen zusammengesetzt. Für Graz werden in der öffentlichen Debatte vor allem diese Möglichkeiten genannt oder sind plausibel:

  • Öffentliche Zuschüsse (Stadt/Land): klassischer Sockelbetrag (in Graz je nach Modell unterschiedlich hoch diskutiert).
  • Vereinsbeiträge: direkte Einzahlungen, Darlehen oder Einbringung über eine Stadiongesellschaft (wie nun von Sturm/GAK vorgeschlagen).
  • Bankfinanzierung / Projektkredit: möglich, wenn ein belastbarer Businessplan mit stabilen Cashflows (Miete, Hospitality, Sponsoren) vorliegt.
  • Naming Rights: Einnahmen durch Stadionnamen (mehrjährige Verträge).
  • Hospitality & Business Seats: Fixe Einnahmen über Logen, Business Club, Premium-Sitze (Stadt Graz nennt in ihrer Planung Größenordnungen für VIP/Business).
  • Eventnutzung: Konzerte/Veranstaltungen, sofern genehmigungsfähig (Lärm/Verkehr) und wirtschaftlich tragfähig.
  • Bundesmittel: wären politisch möglich, sind aber nicht automatisch gegeben und müssten begründet/abgesichert werden (Stand öffentlich: offen).

Wichtig: Ob und wie diese Bausteine kombiniert werden, hängt am Ende an Verträgen, Risikoaufteilung, Betriebskonzept und politischem Beschluss.

5) Bisherige Entwicklungen in der Grazer Stadiondebatte (Kurz-Zeitleiste)

  • Juni 2025: In Medien wird die Machbarkeitsstudie mit einem Kostenrahmen von rund 150 Mio. Euro für den Ausbau auf 20.000 Sitzplätze berichtet.
  • August 2025: Die Stadt Graz veröffentlicht ein ausführliches Q&A mit Kapazitätszielen, baulichen Maßnahmen, Kostenrahmen und offenen Punkten (Finanzierung, UVP, Betriebskonzept).
  • Oktober 2025: Die Debatte eskaliert rund um Betreiber- und Vermarktungsfragen; es wird öffentlich über Vereinsbeteiligungen und Bedingungen diskutiert.
  • Herbst 2025: Berichte über Verschiebungen von politischen Beschlussfassungen (Planungsbeschluss) Richtung 2026.
  • 14. Jänner 2026: Sturm und GAK präsentieren gemeinsam das neue Modell („Projekt 20.000“ mit 95 Mio. Euro und gemeinsamer Betreibergesellschaft).
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6) Aussagen & Meinungen: Wer sagt was – und wie ist das einzuordnen?

Aussagen der Vereine

  • Christian Jauk (Sturm-Präsident): nennt das „Projekt 20.000“, beziffert die Kosten mit rund 95 Mio. Euro und skizziert die Finanzierung (Land 37,5 / Stadt 37,5 / Vereine 20). Quelle: ORF Steiermark (14.01.2026).
  • René Ziesler (GAK-Obmann): betont die Absicht, das Stadion gemeinsam zu errichten und als Eigentümer zu betreiben; als Vorbilder werden u. a. Stadionprojekte von Rapid und LASK genannt. Quelle: ORF Steiermark (14.01.2026).
  • Beide Vereine: wollen eine Errichtungs- und Betreibergesellschaft, die in gleichen Teilen beiden Klubs gehört. Quelle: ORF Steiermark (14.01.2026).

Positionen/Einordnung aus Stadtkommunikation

  • Stadt Graz (Q&A, 05.08.2025): beschreibt den Ausbau am Standort Liebenau als bevorzugte Lösung, nennt den Kostenrahmen von rund 150 Mio. Euro und sieht Beiträge von Land/Bund/Vereinen/Investoren als offen; ein Betriebskonzept/Businessplan soll Grundlage für Beschlüsse sein.

Politischer Kontext

  • Zum Zeitpunkt der Vereinsankündigung wird in mehreren Berichten betont, dass eine unmittelbare politische Fixzusage nicht Teil der kurzfristigen Pressekonferenz war und Gespräche folgen sollen.
  • Mehrere Medien verweisen auf die angespannte Budgetlage der Stadt und darauf, dass ohne klaren Businessplan politisch schwer zu entscheiden ist.

7) Was ist jetzt offen – und welche nächsten Schritte sind entscheidend?

  • Validierung der 95-Mio.-Kalkulation: Wie genau diese Zahl zustande kommt und ob sie alle Kostenbestandteile (Risiken/Preissteigerungen/Grundstück/Reserve) abdeckt.
  • Businessplan/Betriebskonzept: Einnahmen (Ticketing, Hospitality, Naming, Events) vs. laufende Kosten.
  • Rechts- und Eigentumsfragen: Grundstück, Verträge, Rollen der öffentlichen Hand, Stadionverwaltung.
  • UVP/Behördenverfahren: Klärung, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist.
  • Beschlüsse: Ohne politische Beschlüsse (und Budgetmittel) gibt es kein „Go“.
  • Ersatzspielstätten während der Bauphase: Stadt Graz nennt eine voraussichtliche Unterbrechung des Spielbetriebs als mögliches Thema.
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FAQ: Gemeinsames Stadion von GAK und Sturm in Graz

Wollen Sturm und GAK wirklich ein gemeinsames Stadion bauen?

Ja. Beide Vereinschefs haben am 14.01.2026 öffentlich erklärt, dass sie das Stadion in Liebenau gemeinsam errichten und über eine eigene Gesellschaft gemeinsam betreiben wollen.

Wie hoch sollen die Kosten sein – 95 oder 150 Millionen Euro?

Beides sind öffentlich genannte Werte, aber aus unterschiedlichen Quellen: Rund 150 Mio. Euro ist der Kostenrahmen aus der städtischen Machbarkeitsstudie (inkl. Reserven/Valorisierung/Grundstück). Die 95 Mio. Euro sind das neue Kostenziel der Vereine für „Projekt 20.000“. Ob diese Zahl politisch und technisch bestätigt wird, ist offen.

Wie soll das finanziert werden?

Laut Vereinsvorschlag: Land 37,5 Mio. Euro, Stadt 37,5 Mio. Euro, Vereine zusammen 20 Mio. Euro. Darüber hinaus können Einnahmen aus Vermarktung, Hospitality, Naming Rights und ggf. Krediten eine Rolle spielen – entscheidend ist der Businessplan.

Was bedeutet „Betreibergesellschaft“ konkret?

Sturm und GAK wollen eine Gesellschaft gründen, die Bau und Betrieb organisiert. Laut ORF soll sie beiden Vereinen zu gleichen Teilen gehören. Details wie Rechte, Risiken, Vermarktung und Verhältnis zur Stadt sind noch zu klären.

Gibt es schon einen fixen Zeitplan?

Nein. Laut ORF wurde kein konkreter Zeitplan genannt. Nächste Gespräche mit der Stadt wurden angekündigt.

Warum wird nicht einfach ein neues Stadion irgendwo gebaut?

Die Stadt Graz argumentiert, dass es kein entsprechend geeignetes Grundstück für eine Neubewilligung gebe und ein Neubau teurer wäre. Außerdem ist Liebenau verkehrstechnisch erschlossen und grundsätzlich genehmigt.

Quellen (APA 7, URLs ausgeschrieben, ohne Verlinkung)

Hinweis: Die zentrale offene Frage ist nicht, ob ein Stadion modernisiert werden soll, sondern welches Betreiber- und Finanzierungsmodell politisch beschlossen, rechtlich sauber umgesetzt und langfristig tragfähig ist.

Die nächsten Wochen (Businessplan, Verhandlungen, Beschlüsse) sind dafür entscheidend.