Die Vorarlberger Springreiterin Katharina Rhomberg startet ab Mittwoch bei den Pferdesportweltmeisterschaften in Aachen in ihre bislang erfolgreichste Saison. Gemeinsam mit ihrem Pferd Colestus, das sich im größten Reitsportstadion der Welt sichtlich wohlfühlt, tritt sie mit dem österreichischen Team an, dem auch Bianca Babanitz, Felix Koller und Max Kühner angehören. Das erklärte Ziel der Mannschaft ist die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
Rhomberg reist mit außergewöhnlichem Selbstvertrauen an. Im Mai gelang ihr beim Grand Prix von Versilia in der Toskana der erste Sieg bei einem Fünfsternebewerb ihrer Karriere, kurz darauf folgten in St. Gallen zwei zweite Plätze. Die 33-Jährige führte diesen Formanstieg auf intensive Arbeit der vergangenen Jahre zurück. Sie habe sich körperlich wie mental deutlich weiterentwickelt, auch die Pferde hätten an Erfahrung gewonnen. „Jetzt ist alles zusammengekommen“, fasste die Springreiterin ihre aktuelle Verfassung zusammen.
Olympia-Ticket als großes Saisonziel
Im Zentrum der sportlichen Ambitionen steht die Qualifikation für Los Angeles 2028. Neben dem US-Team, das als Gastgebernation einen fixen Startplatz besitzt, können sich sieben weitere Mannschaften für die Spiele qualifizieren. Rhomberg betonte, dass ein direkter Erfolg bei der WM die weitere Olympia-Vorbereitung erheblich erleichtern würde. Gleichzeitig ordnete sie die Ausgangslage realistisch ein: Das österreichische Team zähle nicht zu den Favoriten, ein Erfolg sei aber möglich, wenn alle Reiterinnen und Reiter in guter Form seien und die Gesamtleistung stimme.
Erfahrung mit der Außenseiterrolle bringt die Equipe des Österreichischen Pferdesportverbands bereits mit. Beim diesjährigen Nationenpreis in St. Gallen belegte das Team Platz zwei, bei der Europameisterschaft 2023 in Mailand gewann die österreichische Mannschaft Bronze. Diese Resultate unterstreichen, dass das Team trotz einer nicht favorisierten Ausgangsposition international konkurrenzfähig ist.
Aachen als besonderer Schauplatz
Neben der eigenen Form sorgt auch der Austragungsort für zusätzliche Motivation. Das Stadion in Aachen bietet Platz für 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und gilt im internationalen Pferdesport als bedeutendster Austragungsort überhaupt. Für Rhomberg hat der Ort seit ihrer Jugend eine besondere Bedeutung. Gemeinsam mit ihrer Familie habe sie den Grand Prix von Aachen jährlich im Fernsehen verfolgt, vor acht Jahren sei sie erstmals selbst vor Ort gewesen. Schon damals sei der Wunsch entstanden, dort selbst zu reiten.
Im Mai dieses Jahres ging dieser Wunsch in Erfüllung, als sie mit Colestus im Grand Prix von Aachen den vierten Platz erreichte. Die besondere Atmosphäre im Stadion beschreibt sie als Wechselspiel zwischen absoluter Stille während des Umlaufs und lautstarkem Applaus danach. Nicht jedes Pferd komme mit dieser Geräuschkulisse gleich gut zurecht, Colestus zähle jedoch zu jenen Tieren, die durch die Zuschauerkulisse zusätzlich motiviert würden.
Colestus statt Cuma für die WM
Die Entscheidung für Colestus als WM-Pferd fiel auch aufgrund seiner Ausdauer. Der elfjährige Westfale erhielt den Vorzug gegenüber Rhombergs zweitem Spitzenpferd Cuma, das zuletzt in St. Gallen zwei Fehler verursacht hatte. Gerade bei einem über fünf Tage andauernden Championat sei entscheidend, dass ein Pferd nicht ermüde. Nach Einschätzung der Reiterin werde Colestus von Tag zu Tag stärker, ohne Anzeichen von Erschöpfung zu zeigen.
Mit dieser Ausgangslage blickt Rhomberg der Weltmeisterschaft in Aachen zuversichtlich entgegen. Sowohl die individuelle Form als auch die Verfassung des Pferdes sprechen aus ihrer Sicht für gute Voraussetzungen. Ob sich diese Form in ein starkes Mannschaftsergebnis und im besten Fall in die Olympia-Qualifikation für Los Angeles 2028 übersetzen lässt, wird sich im Verlauf der mehrtägigen Bewerbe zeigen.

















