Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) trennt sich von Sportdirektor Peter Schöttel. Der Aufsichtsrat des Verbandes fasste diese Entscheidung im Rahmen einer Sitzung am Freitag im ÖFB-Campus in Wien. Damit endet nach neun Jahren die Ära des 59-jährigen Wieners an der sportlichen Spitze des Verbandes. Als Grund nannte der ÖFB unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung der Position.
Bereits am Donnerstag hatten mehrere Medien über den bevorstehenden Abschied Schöttels berichtet. Auffällig war dabei, dass nicht der Sportdirektor selbst, sondern Teamchef Ralf Rangnick die interne Analyse zur WM-Teilnahme bei der Aufsichtsratssitzung präsentieren sollte. Am Freitag bestätigte der Verband die Trennung schließlich offiziell per Aussendung. Ein Nachfolger für den Posten wurde zunächst nicht genannt.
Aufsichtsratsvorsitzender Pröll bedankt sich für die Zusammenarbeit
ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll erklärte, „unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der künftigen strategischen Ausrichtung und Ausgestaltung der Position“ seien ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen. Zugleich würdigte er die Verdienste Schöttels: „Wir bedanken uns bei Peter Schöttel für seine Arbeit in den vergangenen Jahren, die von vielen Erfolgen für den ÖFB geprägt war. Für seinen weiteren Weg wünschen wir ihm alles Gute und viel Erfolg.“
Auch Schöttel selbst äußerte sich zu seinem Abschied. Er nehme die Entscheidung zur Kenntnis und bedanke sich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, insbesondere jenen der Direktion Sport, für die gute und kollegiale Zusammenarbeit in neun erfolgreichen Jahren, wird der Wiener in der Verbandsmitteilung zitiert.
Von der U19 zum Sportdirektor
Schöttel selbst war einst Nationalspieler und Teil des österreichischen Aufgebots bei der WM 1998. Zum ÖFB kam er im Jahr 2017, wo er zunächst als Teamchef der U19-Auswahl tätig war. Noch im Oktober desselben Jahres übernahm er nach dem Abgang von Willi Ruttensteiner den Posten des Sportdirektors. In seine Amtszeit fielen bedeutende sportliche Erfolge, darunter die erste WM-Teilnahme der Männer-Nationalmannschaft seit 1998 sowie zwei Einzüge ins EM-Achtelfinale in den Jahren 2021 und 2024. Zuletzt zeichnete Schöttel noch für die Bestellung des Dänen Lars Söndergaard zum neuen Trainer des Frauen-Nationalteams verantwortlich.
Bei der WM in Nordamerika erreichte Österreich nach einem 3:1-Erfolg über Jordanien und einer 0:2-Niederlage gegen Argentinien dank eines 3:3 gegen Algerien das Sechzehntelfinale. Dort unterlag man dem späteren Weltmeister mit 0:3 deutlich. Schöttel war während des gesamten Turniers vor Ort mit dabei. Seinen ursprünglich für die Aufsichtsratssitzung vorgesehenen Turnierbericht durfte er am Freitag jedoch nicht mehr präsentieren.
Prödl als möglicher Nachfolger im Gespräch
Als einer der möglichen Kandidaten für die Nachfolge Schöttels wird Sebastian Prödl gehandelt. Der ehemalige Nationalspieler leitet seit Jahresbeginn 2025 als sportlicher Leiter die Nachwuchs-Nationalteams des Verbandes. Diese Position wurde damals auch auf Wunsch von Teamchef Rangnick geschaffen, der zusätzliches Personal in diesem sensiblen Bereich für notwendig hielt. In seiner aktuellen Funktion verantwortet der 39-jährige Prödl unter anderem den Umgang des Verbandes mit Spielern, die aufgrund ihrer Herkunft für mehrere Nationalmannschaften spielberechtigt sind.
Pressekonferenz am Montag angekündigt
Josef Pröll kündigte an, sich am kommenden Montag um 14 Uhr im Rahmen einer Pressekonferenz zur weiteren Vorgehensweise bei der Besetzung des Sportdirektor-Postens zu äußern. Bei diesem Termin wird auch Teamchef Ralf Rangnick seinen Kader für den bevorstehenden Auftakt in der Nations League bekanntgeben. Wie der ÖFB die vakante Position künftig ausgestalten und wer sie übernehmen wird, bleibt bis dahin offen.

















