Das Slopestyle-Finale der Snowboarderinnen in Livigno ist am Dienstag wegen starken Schneefalls kurzfristig abgesagt worden.
Für Österreich betrifft das vor allem Anna Gasser: Sie ist als Fünfte der Qualifikation fix im Finale – wann sie ihren (möglicherweise letzten) Olympia-Run fahren kann, ist vorerst offen. Entscheidend ist jetzt, wie schnell der Kurs wieder sicher präpariert werden kann und welches Ersatz-Zeitfenster die Jury freigibt.
Was bisher fix ist
| Fakt | Stand | Bedeutung |
|---|---|---|
| Austragungsort | Livigno Snow Park (Italien), „Livigno Olympic Slopestyle“ | Höhenlage & Wetterumschwünge beeinflussen Sicht, Speed und Sicherheit besonders stark. |
| Geplanter Finalstart | Dienstag, 17.02., 13:00 Uhr (lokal) – abgesagt | Der komplette Medaillenlauf wurde aus dem Tagesprogramm gestrichen. |
| Grund der Absage | Starker Schneefall / schwierige Bedingungen | Bei Slopestyle sind Tempo, Landungs-„Reading“ und Sicht Sicherheitsfaktoren – nicht nur Komfort. |
| Wie es weitergeht | Ersatztermin wird nach Jury-Entscheidung bekanntgegeben | Bei engen Olympia-Zeitplänen sind kurzfristige Verschiebungen (oder Format-Anpassungen) möglich. |
| Österreich im Finale | Anna Gasser ist qualifiziert; Hanna Karrer ist nicht qualifiziert | Gasser bleibt ÖSV-Medaillenhoffnung im Slopestyle; Karrer schaut zu. |
| Quali-Ergebnis Gasser | Rang 5 mit 73,50 Punkten (Best-Run) | Startplatz im oberen Finale-Feld – realistische Podiumsnähe bei gelungenem „Clean Run“. |
| Favoritinnen laut Quali | Zoi Sadowski-Synnott (1.), Kokomo Murase (2.) | Sie gehen als Taktgeberinnen ins Finale – hoher Druck auf alle, die „nachziehen“ müssen. |
| Final-Format | 3 Runs, nur der beste zählt; Quali-Punkte zählen nicht ins Finale hinein | Alles kann sich drehen – ein einziger perfekter Run reicht (auch nach schwachem Start). |
| Startreihenfolge | Inverse zur Quali: Quali-12. startet, Quali-1. startet zuletzt | Top-Favoritinnen sehen vorher, „was nötig ist“ – Vorteil für Strategie, aber auch mehr Erwartungsdruck. |
| Kursdaten (Kurz) | 6 Sections (3 Jump + 3 Jib), ca. 650 m Länge, 165 m Vertical Drop | Slopestyle belohnt „rund“: Rails + Jumps müssen zusammenpassen – nicht nur ein Monster-Trick. |
Warum diese Absage sportlich und organisatorisch so heikel ist
Was in Livigno passiert ist – die Lage in einem Satz
Der Schneefall war so stark, dass die Verantwortlichen das Finale am geplanten Starttag nicht verantworten konnten – die Medaillenentscheidung wurde daher abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Warum Schneefall beim Slopestyle schnell zum Sicherheitsproblem wird
Im Slopestyle geht es nicht nur um Tricks, sondern um Timing: Athletinnen müssen Absprung, Flugphase und Landung auf Sicht „lesen“, exakt Geschwindigkeit mitnehmen und in der nächsten Section sofort wieder sauber ansetzen. Genau hier ist starker Schneefall kritisch:
- Sicht & Kontrast: Wenn Kanten, Landungen und Übergänge „verschwimmen“, wird das Spotten der Landung unsicher.
- Speed-Management: Frischer Schnee bremst. Wer zu wenig Tempo hat, kommt auf Kickern zu kurz – das ist riskant und kostet Punkte.
- Kurspräparierung: Slopestyle braucht präzise geshapte Kicker und saubere Inruns/Outruns. Bei laufendem Schneefall arbeiten Crews gegen die Uhr.
- Fairness: Wenn sich die Bedingungen von Run zu Run stark ändern, leidet Vergleichbarkeit – und damit die sportliche Gerechtigkeit.
Was das für Anna Gasser bedeutet (und warum ihr „Speed“-Thema jetzt zentral ist)
Anna Gasser ist als Doppel-Olympiasiegerin im Big Air eine der bekanntesten Snowboarderinnen Österreichs – und genau deshalb ist der Slopestyle-Auftritt in Livigno für sie emotional besonders: Die Slopestyle-Medaille fehlt ihr bei Olympia noch. In der Qualifikation hat sie als Fünfte den Finaleinzug geschafft, während Teamkollegin Hanna Karrer als 17. ausgeschieden ist.
Gasser hat vor der Absage offen angesprochen, worum es auf diesem Kurs geht: Sie braucht günstige Bedingungen und genug Geschwindigkeit, um den geplanten Run mit ihren besten Tricks sauber durchzuziehen. Als eher leichte Athletin kann eine „langsame“ Piste (z. B. durch Neuschnee) zum Nachteil werden – und genau das ist bei starkem Schneefall die große Unbekannte.
Dazu kommt die mentale Komponente: Nach der Big-Air-Enttäuschung (Rang acht nach Stürzen) war Slopestyle ihre Bühne für einen versöhnlichen Schlusspunkt. Wenn das Finale gar nicht stattfinden sollte, wäre Big Air ihr letzter Olympia-Auftritt gewesen – auch deshalb hängt an der Terminentscheidung so viel.
Finalfeld der Snowboarderinnen: Alle 12 Finalistinnen aus der Qualifikation
Diese 12 Athletinnen haben sich über die Qualifikation für das Finale qualifiziert
- 1. Zoi Sadowski-Synnott (NZL) – 88,08: Quali-Bestwert, Taktgeberin, extrem „komplette“ Runs.
- 2. Kokomo Murase (JPN) – 84,93: Technisch brutal stark, großer Druck auf Goldnähe.
- 3. Seungeun Yu (KOR) – 76,80: Sehr stabile Quali, im Finale immer gefährlich.
- 4. Reira Iwabuchi (JPN) – 73,65: Erfahrung + saubere Ausführung, oft sehr „clean“.
- 5. Anna Gasser (AUT) – 73,50: Hohe Trick-Decke, Finale ist offen – wenn Speed & Landungen passen.
- 6. Ally Hickman (AUS) – 71,41: Jung, risikofreudig, kann mit einem Run überraschen.
- 7. Mari Fukada (JPN) – 71,03: Starke Allround-Linie, oft sehr präzise in Rails.
- 8. Annika Morgan (GER) – 69,53: Deutsche Hoffnung, braucht „Clean Run“ ohne Wackler.
- 9. Laurie Blouin (CAN) – 69,30: Routiniert, punktet bei Stil und Ausführung.
- 10. Lily Dhawornvej (USA) – 68,90: Finale = Reset – ein guter Run reicht.
- 11. Jessica Perlmutter (USA) – 68,58: Aufwärtstrend, kann Risiko erhöhen.
- 12. Juliette Pelchat (CAN) – 68,25: Startet als Erste, kann „Marke setzen“ und den Druck nach oben treiben.
So funktioniert die Bewertung im Olympia-Slopestyle – verständlich erklärt
Im olympischen Slopestyle zählt am Ende nicht „ein Trick“, sondern ein kompletter Run. Im Finale gibt es drei Runs – nur der beste Run einer Athletin zählt fürs Endklassement. Die Quali-Punkte werden nicht übernommen, sie bestimmen nur, wer wann startet (umgekehrte Reihenfolge: Quali-12 zuerst, Quali-1 zuletzt).
Bewertet wird in einem Mix aus Einzelsection-Scoring und Gesamteindruck. Vereinfacht: Rails + Jumps müssen zusammen einen runden, abwechslungsreichen, sauberen und progressiven Run ergeben. Typische Kriterien sind Schwierigkeit, Ausführung (Clean Landings!), Vielfalt, Stil/Flow und – sehr wichtig – die richtige Amplitude („Sweet Spot“ statt nur „höher ist besser“).
Was passiert, wenn das Finale nicht gefahren werden kann? Realistische Szenarien
Bei Großevents gibt es meist vier Praxis-Szenarien – je nachdem, wie sich Wetterfenster und Kurspräparation entwickeln:
- Verschiebung (Standardfall): Das Finale wird auf einen späteren Slot gelegt, sobald Kurs & Sicht passen.
- Format-Reduktion: Wenn die Zeit knapp ist, kann die Jury – je nach Regeln/Entscheidung – die Entscheidung auf weniger Runs komprimieren (z. B. „Best of 1“ statt „Best of 3“), um überhaupt ein Ergebnis zu bekommen.
- Abbruch nach Start: Wird begonnen, aber nicht „sauber“ beendet (z. B. Bedingungen kippen), kann das zu heiklen Fairness-Diskussionen führen.
- Finale kann nicht abgeschlossen werden: Im FIS-Regelwerk ist für das Standard-Format ausdrücklich vorgesehen, dass dann die Qualifikationsergebnisse als Endergebnis herangezogen werden können – ob und wie das im Olympia-Kontext angewandt wird, hängt von Jury-Entscheiden und der konkreten Wettbewerbssituation ab.
Für Athletinnen ist dabei eines entscheidend: Ein Ersatztermin bedeutet nicht automatisch „bessere Bedingungen“. Manchmal wird es nur „fahrbar“ – und dann gewinnen nicht zwingend die mit den größten Tricks, sondern die mit dem saubersten Sicherheits-Plan.
Praxis-Tipps für Fans: So verpasst du den Ersatztermin nicht
- Auf Startlisten achten: Sobald Start Order & Session-Zeit neu ausgeschrieben sind, ist das der verlässlichste Indikator.
- „Course Hold“ richtig einordnen: Ein Hold heißt: Jury wartet auf ein Wetterfenster – das kann in 20 Minuten oder erst am nächsten Tag passieren.
- Finale = Reset: Auch wenn Quali-Ergebnisse beeindrucken: Im Finale zählt nur der beste Final-Run.
- Bei Neuschnee an Speed denken: Wenn es „klebt“, werden sichere, schnellere Linien oft mehr wert als Maximallast an Rotationen.
FAQ zum abgesagten Slopestyle-Finale (Livigno) – kurz & klar
Ist das Slopestyle-Finale abgesagt oder nur verschoben?
Es wurde am geplanten Finaltag wegen starken Schneefalls abgesagt und soll auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Wann findet das Finale jetzt statt?
Der Ersatztermin wird nach der Jury-Entscheidung und abhängig von der Kurspräparierung kommuniziert. Stand jetzt war zum Zeitpunkt der Absage noch kein fixer neuer Start genannt.
Ist Anna Gasser fix im Finale?
Ja. Sie ist in der Qualifikation Fünfte geworden und hat sich damit unter die Top 12 qualifiziert.
Zählen die Quali-Punkte im Finale weiter?
Nein. Die Qualifikation bestimmt nur, wer ins Finale kommt und in welcher Reihenfolge gestartet wird. Für die Medaillen zählt nur der beste Final-Run.
Wie viele Läufe gibt es im Slopestyle-Finale?
Im olympischen Format sind drei Final-Runs vorgesehen, und nur der beste Run einer Athletin zählt für das Endergebnis.
Wie wird die Startreihenfolge im Finale festgelegt?
In umgekehrter Reihenfolge zur Qualifikation: Die Quali-12 startet zuerst, die Quali-1 startet zuletzt – und das gilt für alle Final-Runs.
Warum ist starker Schneefall beim Slopestyle so problematisch?
Neuschnee kann die Strecke deutlich langsamer machen, die Sicht verschlechtern und die Landungen schwerer lesbar machen. Das erhöht Risiko und macht faire Vergleiche schwieriger.
Kann es passieren, dass Quali-Ergebnisse als Endresultat gelten?
Wenn ein Finale nicht abgeschlossen werden kann, sieht das FIS-Regelwerk für das Standard-Format grundsätzlich vor, auf Quali-Ergebnisse zurückzugreifen. Bei Olympia wird aber zuerst alles versucht, um eine sichere Final-Entscheidung nachzuholen.
Wer sind die Favoritinnen, wenn das Finale nachgeholt wird?
Nach der Qualifikation sind Zoi Sadowski-Synnott und Kokomo Murase die klaren Taktgeberinnen. Dahinter ist das Feld eng – und genau dort liegt Gassers Chance, wenn sie einen sehr sauberen Run bringt.
Was braucht Anna Gasser, um eine Medaille zu holen?
Vor allem: genug Speed für ihre geplante Trick-Kombination, gute Sicht und einen „clean“ gelandeten Run ohne Abzüge. Dann kann sie ihre hohe Trick-Decke ausspielen.
Quellen
- ORF Sport (17.02.2026, Update am Vormittag): Absage/Einordnung und Zitate von Anna Gasser zur Wetter- und Speed-Thematik.
- FIS / offizielles Ergebnis-PDF (15.02.2026): Qualifikationsergebnisse inkl. Final-Top-12 und Punktestände.
- FIS / offizielles Startlisten-PDF (17.02.2026): Start Order und Finalstart-Zeit (ursprünglich 13:00 Uhr) mit umgekehrter Quali-Reihenfolge.
- Associated Press / ESPN (17.02.2026): Bestätigung „scrubbed off schedule“, neuer Termin zunächst offen.
- Reuters (17.02.2026): Wetterlage in Livigno, Verschiebungen auch bei anderen Bewerben (Sicht/Speed/Sicherheit).
- NBC Olympics (Regel-/Format-Erklärstück, 2025/2026): Format (2 Quali-Runs, 3 Final-Runs), Bewertung (60/40), Wetter-Effekte im Slopestyle.
- FIS ICR (aktualisierte Regeln 2025): Passus zum Umgang mit nicht abgeschlossenem Finale im Standard-Format (Quali-Ergebnis als Finalresultat möglich).
















