UEFA beschleunigt Video-Schiedsrichter: VAR-Checks künftig in 90 Sekunden

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Der europäische Fußball-Verband UEFA will die Anwendung des Videobeweises grundlegend reformieren und beschleunigen. Ziel ist es, in dieser Saison zu weniger, dafür aber einheitlicheren und schnelleren VAR-Entscheidungen in den europäischen Ligen zu kommen. Wie UEFA-Schiedsrichterchef Roberto Rosetti mitteilte, soll die Überprüfung einer strittigen Spielszene künftig nicht länger als 60 bis 90 Sekunden in Anspruch nehmen.

Der 58-jährige frühere italienische Spitzenschiedsrichter betonte, dass sich der Videobeweis ausschließlich auf klare und offensichtliche Fehlentscheidungen beschränken solle. Weitergehende Eingriffe seien nicht vorgesehen. Damit reagiert die UEFA auf anhaltende Kritik an der bisherigen Praxis, bei der Überprüfungen mitunter lange dauerten und Spielunterbrechungen für Unmut bei Spielern, Trainern und Zuschauern sorgten.

Roter Karten sollen im Kontext bewertet werden

Ein zentraler Punkt der neuen Leitlinien betrifft die Bewertung möglicher Roter Karten. Künftig soll bei Zweikämpfen wieder stärker der gesamte Spielkontext berücksichtigt werden, anstatt sich allein auf das sogenannte Trefferbild zu stützen. Standbilder sollen zwar weiterhin zur Analyse herangezogen werden, jedoch soll im Anschluss auch der komplette Ablauf der jeweiligen Szene in Echtzeit gezeigt werden.

Rosetti erklärte dazu, der Fußballkontext sei von großer Bedeutung für eine faire Bewertung von Zweikampfszenen. Er rief die Schiedsrichter zudem dazu auf, im Zweifelsfall an ihrer ursprünglich auf dem Spielfeld getroffenen Entscheidung festzuhalten. Damit soll verhindert werden, dass der VAR zu häufig in Situationen eingreift, die auch unterschiedlich interpretiert werden könnten.

Eckstoßentscheidungen nach WM-Vorbild

Auch bei umstrittenen Eckstoßentscheidungen orientiert sich die UEFA an einem Modell, das bereits bei der vergangenen Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko zur Anwendung kam. Falsche Eckstoßentscheidungen sollen demnach künftig durch den Videobeweis korrigiert werden. Rosetti stellte jedoch klar, dass dies nur dann geschehen solle, wenn die Sachlage völlig eindeutig sei und die Überprüfung unverzüglich erfolgen könne.

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Transparenz für Fans durch neue Website

Um die Entscheidungen des Videobeweises auch für Fußballfans nachvollziehbarer zu machen, hat die UEFA eine eigene Informationsseite mit dem Titel „Clear Line“ auf ihrer Website veröffentlicht. Dort finden sich Beispiele und Videomaterial, die erläutern sollen, in welchen Fällen ein VAR-Eingriff erfolgt und nach welchen Kriterien Schiedsrichter künftig entscheiden sollen. Damit soll mehr Klarheit über die Anwendung der Regeln geschaffen werden, die in der Vergangenheit häufig für Diskussionen gesorgt hatten.

Gemeinsame Erarbeitung durch fünf große Ligen

Die neuen Richtlinien wurden nicht allein von der UEFA-Zentrale festgelegt, sondern zunächst von den Schiedsrichterchefs der fünf großen europäischen Fußballnationen erarbeitet. Verantwortliche aus Deutschland, England, Frankreich, Italien und Spanien entwickelten gemeinsam die Grundlage für die überarbeiteten VAR-Regeln. Anschließend wurden die Vorschläge unter allen 55 Mitgliedsverbänden der UEFA abgestimmt und beschlossen.

Mit der Reform reagiert die UEFA auf den Wunsch vieler Beteiligter im europäischen Fußball nach mehr Tempo, Nachvollziehbarkeit und Einheitlichkeit bei Videobeweisentscheidungen. Inwiefern sich die neuen Vorgaben im laufenden Spielbetrieb der europäischen Ligen und Wettbewerbe in der Praxis bewähren, wird sich im Verlauf der Saison zeigen. Die Vereinheitlichung der Abläufe zwischen den einzelnen nationalen Ligen und internationalen UEFA-Wettbewerben gilt dabei als einer der zentralen Aspekte der Neuregelung.

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