Bei den US Open in New York sorgt die zunehmende Präsenz von Influencern für hitzige Diskussionen. Während eines Matches von Naomi Osaka im Arthur Ashe Stadion johlte eine Gruppe Zuschauer aus einem teuren Logenbereich, posierte für Videos und rief laut in Richtung Kamera, während ein helles Selfie-Licht den VIP-Bereich erhellte. Die Szene verbreitete sich rasch in sozialen Medien und rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das die ersten Turniertage des Grand-Slam-Events prägt.
Osaka fühlte sich durch den Vorfall beim Aufschlag gestört und beschwerte sich während des Spiels. Schiedsrichterin Paula Vieira Souza reagierte hörbar genervt und bat die betreffenden Zuschauer, sich hinzusetzen. Die japanische Tennisspielerin ist damit nicht die einzige Profi-Spielerin, die sich kritisch über das Verhalten mancher Zuschauer und Content Creator äußert.
Kritik von Jessica Pegula an Selfie-Kultur
Auch die amerikanische Weltranglistendritte Jessica Pegula übte deutliche Kritik an der zunehmenden Omnipräsenz von Influencern auf der Tribüne. Sie bezeichnete es als schwierig, mitanzusehen, wie Zuschauer während der Matches Fotos machen und dabei Selfie-Lichter einsetzen. Pegula betonte, dass die Spielerinnen und Spieler auf dem Platz ihrem Beruf nachgehen und die Situation dadurch respektlos wirke. Ihrer Einschätzung nach habe sich die Entwicklung bei dieser Ausgabe der US Open deutlich verstärkt.
Verdoppelte Zahl an Akkreditierungen für Content Creator
Die Turnierorganisatoren der US Open hatten im vergangenen Jahr erstmals gezielt Akkreditierungen an sogenannte Content Creator vergeben. Bei der aktuellen Ausgabe hat sich diese Zahl auf rund 100 verdoppelt. Ein Sprecher des Turniers begründete die Strategie damit, dass neue Zielgruppen für den Tennissport erschlossen werden sollen.
Im Umfeld des Tenniszirkus haben sich bereits mehrere Personen als Influencer etabliert, die durch Inhalte rund um den Sport bekannt wurden. Zu den bekanntesten Beispielen zählen die Amerikanerinnen Paige Paul, Ehefrau des US-Profis Tommy Paul, sowie Morgan Riddle, die frühere Partnerin von Taylor Fritz. Beide Frauen kommen auf der Plattform Instagram gemeinsam auf mehr als 1,8 Millionen Follower.
Ambitionierte Pläne des US-Verbands
Der Ausbau der Aktivitäten abseits des eigentlichen Spielgeschehens ist Teil einer größeren Strategie der US Open. Craig Tiley, Chef des verantwortlichen US-Tennisverbands, kündigte an, künftig zahlreiche Möglichkeiten für Spieler, Kinder und Erwachsene schaffen zu wollen, um bei den US Open unterschiedlichste Erfahrungen zu sammeln. Tiley bezeichnete die Vision des Turniers als das „Disneyland“ des Tennissports. Influencer sollen dabei als Multiplikatoren eine zentrale Rolle in der Kommunikation einnehmen. Berichten zufolge kreieren zwischen 15 und 20 Content Creator Inhalte direkt im Auftrag der US Open.
Nicht alle im Tennissport können sich mit diesem Vergleich anfreunden. Der frühere US-Open-Champion Daniil Medwedew äußerte sich zurückhaltend zur Bezeichnung „Disneyland“ und betonte, dass es sich beim Tennis weiterhin um einen Sport handle, bei dem die Athletinnen und Athleten auf eine Art um ihre sportliche Existenz kämpfen. Gleichzeitig zeigte der Russe Verständnis für die Strategie der Organisatoren, da diese dem Wachstum des Sports diene.
Ausblick auf weitere Turniertage
Die Diskussion um die Rolle von Influencern bei den US Open dürfte auch in den kommenden Turniertagen ein Thema bleiben. Während der Verband die Präsenz von Content Creator als Chance zur Reichweitensteigerung sieht, fordern Spielerinnen wie Pegula und Osaka mehr Rücksichtnahme auf die sportliche Leistung während der Matches. Wie die Organisatoren künftig mit möglichen Störungen durch Zuschauer im VIP-Bereich umgehen werden, bleibt vorerst offen.

















