Die Vienna Vikings streben am Sonntag im deutschen Duisburg nach einem europäischen Football-Titel. In der Gold Bowl, dem ersten Endspiel der neu gegründeten American Football League Europe (AFLE), treffen die Wiener auf die Wroclaw Panthers aus Polen. Ausgerechnet jenes Team, das den Vikings in dieser Saison die einzige Niederlage zugefügt hatte. Die Partie wird ab 15.10 Uhr live auf ORF ON sowie ab 15.55 Uhr in ORF Sport Plus übertragen.
Für die Mannschaft von Trainer Chris Calaycay ist es bereits die dritte Finalteilnahme in Folge, nachdem man die beiden vorherigen Endspiele verloren hatte. Linebacker Noel Swancar machte im ORF-Interview deutlich, dass ein weiterer Rückschlag diesmal keine Option sei. Spätestens beim dritten Anlauf müsse der Titel eingefahren werden, so seine klare Ansage.
Starker Grunddurchgang und deutlicher Halbfinalsieg
Die Vikings hatten in der regulären AFLE-Saison elf ihrer zwölf Spiele gewonnen. Im Halbfinale setzte sich das Team von Coach Calaycay mit 71:34 gegen die London Warriors durch. Quarterback Ben Holmes warf dabei sieben Touchdownpässe und zeigte sich in Torlaune. Der US-Amerikaner hofft nun, nach zwei verlorenen Endspielen erstmals einen europäischen Titel nach Wien zu holen. Zuletzt waren die Vikings 2022 in der European League of Football erfolgreich gewesen, seither erreichte man jede Saison zumindest das Halbfinale.
Holmes betonte, dass sich die Einstellung des Teams verändert habe. In den ersten beiden Jahren sei man schon froh gewesen, überhaupt im Finale zu stehen. In dieser Saison laute das Motto hingegen, dass dieses Spiel den Vikings gehöre.
Gefährliches Duo bei Wroclaw Panthers
Auf Seiten der Wroclaw Panthers gilt vor allem das Duo aus Quarterback Jameson Wang und Receiver Michael Harley Junior als gefährlich. Harley Junior hatte im Semifinale gegen Rhein Fire, das die Polen mit 41:40 gewannen, allein 25 Pässe gefangen. Swancar bezeichnete die beiden als eines der stärksten Duos der Liga und kündigte an, dass die Defensive der Vikings besonderes Augenmerk auf sie legen müsse.
Mit Blick auf die bereits im August ausgetragene Partie in Wien, die die Vikings mit 31:34 verloren hatten, räumte Swancar kleinere Fehler ein, aus denen man lernen wolle. Man wolle die erste Mannschaft sein, die den Titel in der neuen Liga gewinnt.
Erfahrung als möglicher Vorteil
Quarterback Holmes setzt darauf, aus den Erfahrungen der vergangenen Finalteilnahmen Kapital zu schlagen. Die Wroclaw Panthers hätten bislang noch kein großes Endspiel bestritten. Die Vikings seien hingegen an die Atmosphäre und den Lärm eines Finales gewöhnt, weshalb er hoffe, dass sich sein Team dort heimisch fühle, während der Gegner sich eher wie die Auswärtsmannschaft fühlen könnte. Der 31-Jährige beschrieb seinen aktuellen Fokus als vollständig auf das Erzielen von Punkten ausgerichtet.
Coach Calaycay wiederum setzt auf seine Defensive, um dem Gegner möglichst wenige Punkte zu ermöglichen. Er verwies darauf, dass Wroclaw zum Saisonende in Topform gewesen sei und mehrere hart erkämpfte Auswärtssiege gefeiert habe. Das mache die Partie für beide Mannschaften zu einer echten Herausforderung.
Seikovits vor Japan-Wechsel
Für die Vikings ist es das vierte europäische Finale innerhalb der vergangenen fünf Saisonen. Für Tight End Bernhard Seikovits, der vier Jahre im Kader der Arizona Cardinals in der NFL stand, ist es die erste Finalteilnahme mit den Wienern. Er möchte vor einem geplanten Engagement in Japan, ähnlich wie zuvor Thomas Schaffer im Jahr 2025, seinen ersten europäischen Titel gewinnen. Seikovits zeigte sich froh darüber, erneut auf die Panthers zu treffen, die er als starkes und physisches Team einschätzt, das ebenso bereit für das Finale sei wie die Vikings selbst.
Die AFLE mit acht teilnehmenden Mannschaften sowie die European Football Alliance mit sechs Teams sind in dieser Saison an die Stelle der insolventen European League of Football getreten. In der EFA sicherte sich zuletzt Nordic Storm in Innsbruck den Titel, während die Raiders Tirol die Play-offs verpasst hatten.

















